Ein Geleitwort zur Einweihung unseres Granit-Hochkreuzes
Am Sonntag, dem 26. Mai, nachmittags 4 Uhr, werden wir das uns von
K r u e t g e n aus Chicago gestiftetes Granithochkreuz offiziell
übernehmen und feierlich einweihen. Dazu werden viele Gemeindemitglieder
erscheinen an der Stätte , da unsere Toten den letzten
Friedensschlaf halten. Wenn und wo wir unseren schön gepflegten
Friedhof betreten, dann sagt uns ein ernstes Gefühl, daß wir heiliges
Land betreten, wo unsere Toten ruhen, die aber doch im unvergäng
lichen Leben zu uns reden und wir denken auch daran, daß auch wir
hier dereinst unsere Ruhestätte finden werden. Die Kirchenvertretung
hält auf gute Pflege des Friedhofs; sie hat das Bestreben, den
Friedhof so zu gestalten, daß der Ruhe, Liebe und Leben predigt.
Dazu ist das Granithochkreuz, das uns von Herrn Kruetgen in treuer
Anhänglichkeit an seine Heimatgemeinde, an seine Kirche, in der er
die guten Lehren für seinen Lebensweg empfangen hat, gestiftet wurde,
ein schönes, sinniges Erinnerungszeichen.
Wir sind Herrn Kruetgen ja so dankbar dafür, daß er seine Heimatgemeinde
durch einen Tatbeweis so bedacht hat, daß die guten Erinnerungen aus seiner
Kindheit und Jugendzeit so schön in ihm fortleben.
Wir wollen hoffen, daß der herzensgute Mann noch einmal seine Heimat
wieder besuchen wird und er dann durch Augenschein sich überzeugen kann,
wie sinnig und erhebend das Kreuz wirkt; er würde auch Freude an der
schönen weihevoll wirkenden Lichtanlage in unserer Kirche haben, die
auch durch seine gütige Zuwendung angelegt worden ist.
Was sagt uns denn nun das markige Granitkreuz, das keine Inschrift trägt,
sondern stumm, aber doch beredt auf uns wirken soll?
Das Kreuz hat in jeglicher Form in der ganzen Christenheit eine symbolische
Bedeutung. Am Kreuz hat unser Herr und Meister Jesus Christus, der uns ein
Leben voller Liebe und Hingebung vorgelebt hat, die größte und schwerste
Tat seines Lebens vollbracht, er gab sein reines teures Leben als Opfer
für die Menschheit hin.
Das Kreuz bleibt uns Sinnbild für Leben und Tod und so wird unser Granitkreuz
noch in späteren Jahren trostverkündend hinüberragen über die Gräber
unserer lieben Verstorbenen und auch, bald früher, bald später, über
unsere Grabstätten; es wird ernste, aber auch hoffentlich erfolgreiche
Zeiten kirchliches Lebens überdauern.
Wenn wir am Sonntag bewegt die Weiherede des Herrn Probst Rotermund
lauschen werden, dann werden unsere Gedanken und Erinnerungen doch
auch hingehen zu all den Lieben, die in der größten Tat ihres Lebens
dem Vaterland ihr Leben geopfert haben, damit sie ihre und unsere
Heimat retten wollten, die aber nun ruhen ferne von uns in fremder
Erde. Manchem dieser lieben Gefallenen haben treue Kameraden ein
Kreuz gezimmert und auf sein Grab gesetzt -als Zeichen von Glaube,
Hoffnung, Liebe, die in der treuen Kameradschaft so guten Ausdruck
finden. Das schöne Granitkreuz, das wir am Sonntag einweihen werden,
ragt hinüber über alle Gräber unseres Friedhofs, in denen liebe Tote
ruhen; in unserem Empfinden grüßt das Kreuz auch hinüber nach den
fernen Grabstätten unserer lieben Gefallenen. Dieselbe Sonne, derselbe
Mond, die unser Kreuz bescheinen, dieselben Sterne, die allabendlich
am Firmament stehen auf unser Kreuz herniederfunkeln, sie bescheinen
und beleuchten auch die Grabstätten - ob bekannt oder unbekannt.
- wo unsere lieben Gefallenen ruhen, und wenn wir denen in der denkwürdigen
Stunde einen Liebeszoll erweisen wollen, dann tun wir das mit
den anwesenden Kameraden in dem stillen Gedenken nach dem alten, aber
immer schönen Soldatenlied: "Ich hatt' einen Kameraden, einen besseren
find'st du nicht!", mit dem ergreifenden Schlußsatz: "Bleib' du im
ew'gen Leben mein guter Kamerad!"
So ist unser Granitkreuz, wenn wir dasselbe am Sonntag umstehen, uns ein
Trostverkünder, obgleich wir an Gräbern stehen.
Möge unser schöner Friedhof eine Wallfahrtsstätte bleiben und möge unser
Granitkreuz wirken als ein Trostverkünder auf lange, lange Zeit.
Solange noch von liebenden Händen die Grabstätten gepflegt werden, so
lange noch Männer und Frauen und Kinder den Friedhof als eine geheiligte
Stätte ansehen, so lange wird unser Kreuz als Trostverkünder ein Ausdruck
von Glaube, Hoffnung, Liebe und Frieden sein und bleiben.
Rümpel , den 22. Mai 1930
Käselau, Mitglied des Kirchenvorstandes