In alten Zeiten, so wissen die älteren Gemeindeglieder
zu berichten, gab es einen Totenweg, der durch die Feldmark von Rethwischdorf
nach Oldesloe führte.
Die Zeiten änderten sich, als eine Landbürgerinitiative in
den langen Auseinandersetzungen mit den Oldesloer Zentralisten einen
eigenen Pfarrbezirk erstritten hatte. Von 1893/94 bis 1904 dauerte das
Gezerre, in dem die Beharrlichkeit der Landbevölkerung zum Erfolg
führte.
Hebel der Auseinandersetzungen um ein eigenes kirchliches Leben auf
dem Lande war das Verlangen einer Gemeindeversammlung, einen örtlichen
Kirchhof (Friedhof) anzulegen. Danach wollte man Schritt für Schritt
eine weitere seelsorgerische und kirchengemeindliche Versorgung nach
Rethwisch ziehen.
Als die Kirchenoberen in Oldesloe sich sperrten, ließ man auf den Dörfern
nicht locker und plante einen kommunalen Friedhof, der dann unter für
später erhofften besseren kirchlichen Rahmenbedingungen in kirchliche
Hand übergeben werden sollte. Das war 1901. Die Oldesloer Zentralisten
verstanden es, jedwede eigenständige Regung auf dem Lande als unheilvolle
Friedensstörung zu brandmarken, was dazu führte, daß alles
zunächst gestoppt wurde. Nun jedoch erzwangen die Sprecher der
Landbevölkerung auf höherer Ebene eine Wende, was dazu führte,
daß eine pastorale Versorgung vor Ort eingerichtet wurde. Die Rethwischer
schenkten Land zum Zwecke des Pastoratbaues, karrten Fundamentsteine
heran und halfen, wo es nur ging.
Vielleicht war es nicht zuletzt dieser Elan, der auch von den Gemeindegliedern
in den Nachbardörfern mitgetragen wurde, der dazu führte,
daß man in Oldesloe um 180° umkehrte. Jetzt endlich war man davon überzeugt,
daß das Projekt Pfarrbezirk auf dem Lande ein unterstützenswertes
Unterfangen sei und man half, wo man konnte.
So beschlossen die Oldesloer Kirchenältesten im Jahre 1909, für
einen Friedhof in Rethwischdorf M 2.500,- bereitzustellen, und die Gemeinde
beschloß, M 2.000,-- zu geben. So kam der Friedhof einvernehmlich als
kirchlicher Friedhof zu Stande., und mit Bestattung des ersten Verstorbenen
auf diesem Gottesacker am 8. Juli 1910 wurde der Friedhof durch den
damaligen Pastor Wulf geweiht.
Als weiteres markantes Ereignis ist zu nennen: der 5. Juni 1921. An
diesem Tag wurde das Gefallenendenkmal eingeweiht, das die Kirche gegenüber
dem Friedhof auf dem von einem Landwirt geschenkten ehrwürdigen
Stück Land errichtete. Auch hier sieht man wieder, wie selbstverständlich
die Dorfgemeinschaft dafür gesorgt hat, daß es zu dem Denkmal kam.
Das seitdem ein unverwechselbares Ensemble mit dem Friedhof bildet.
1966 kam es dann zu einer weiteren Verbesserung: Die Kirchengemeinde
konnte ein Grundstück neben dem Friedhof erwerben. Pläne,
die Kapelle abzulösen, gab es mindestens seit 1924. Die Zeichnungen
für eine Fachwerk-Dorfkirche sind noch vorhanden, aber es fehlte
in dieser schlechten Zeit das Geld.
Nun ist es am Dorfeingang zu der Dreiheit Friedhof – Kirche – Gefallenendenkmal
gekommen, die allen sehr ans Herz gewachsen sind.
Die Landbevölkerung ist mit diesem Flecken Erde verbunden sind,
von dem aus sie weit in die Landschaft blicken können und ihre
Erinnerungen und Gedanken an liebe Menschen und an Gott pflegen können.
Die schmiedeeisernen Tore, so manches vertraute Grab, das erhöhte
Kreuz, auf das, am hölzernen Russenkreuz vorbeigehend, alles zuläuft,
und so mancher heimatlicher Winkel lassen viele sagen: Hier möchte
ich einmal beerdigt sein.
Möge diese Dreiheit von Friedhof, Kirche und Ehrenmal auch in Zukunft
unbeschädigt durch Bebauungspläne und Landschaftspläne
erhalten bleiben, damit wir ein ungestörtes Fleckchen Erde haben,
auf dem wir den Ruf der Ewigkeit und den Zuruf Gottes durch Jesus Christus
hören können, wie denn auf den Glocken geschrieben steht,
unter deren Klang so viele zu Grabe getragen wurden: LAND LAND HöRE
DES HERREN WORT und: ICH LEBE UND IHR SOLLT AUCH LEBEN!
Joachim Malecki, Dorfpastor